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Adamy

Die Einhard-Basilika zu Steinbach im Odenwald

Im Sommer des Jahres 1873 gelang dem Darmstädter Kunsthistoriker Johann Georg Schaefer die argumentative Untermauerung einer bemerkenswerten These: Der damals als Scheune missbrauchte Torso eines mittelalterlichen Kirchenbaus in Steinbach bei Michelstadt im Odenwald wurde von Schaefer als eben jene Basilika identifiziert, die Einhard (ca. 770 - 840), der bekannte Biograph Karls des Großen, bis zum Jahre 827 nach eigenem Bericht so weit fertiggestellt hatte, dass er sich über die Modalitäten der Altarweihe Gedanken machen konnte.
Der heute jedem Mediävisten gut bekannte Bericht über die Translation der Heiligen Marcellinus und Petrus aus Rom nach Steinbach rangierte im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts noch unter den aus positivistischer Perspektive eher suspekten literarischen Produkten frühmittelalterlicher Hagiographie und Wundersucht. Das Bedürfnis, die in diesem Text erwähnten Örtlichkeiten sicher zu lokalisieren, war daher bisher allenfalls ein Anliegen lokalen Interesses gewesen. Immerhin hatte schon 1844 Johann Friedrich Knapp die Vermutung geäußert, dass die Kirchenruine nahe an die Zeit Karls des Großen zu rücken sei; aber kunstwissenschaftliche Argumente waren erst nach Untersuchungen an der Seligenstädter Basilika (1868/69) möglich.
Die Einhardbasilika von Michelstadt-Steinbach gehört neben der sogenannten 'Königshalle' in Lorsch und der Einhardsbasilika von Seligenstadt zu den Zimelien karolingerzeitlicher Baukunst in Europa. Zugleich ist sie einer der Schlüsselbauten für die Erkenntnis eines spezifisch karolingischen Baustils. Rudolf Adamys Veröffentlichung von 1885 hat als ein Stück Forschungsgeschichte durchaus auch heute noch seinen Wert.

Faksimila der Ausgabe von 1885. 2000. VIII u. 42 S. mit zahlreichen Abbildungen und 4 Tafeln, Format 24,3 x 33,5 cm, Festeinband