Lesung: Was der Kaiser seinen Untertanen verordnete / Von Salbei bis Madonnenlilie
Die heilsamen Kräuter Karls des GroßenLorsch. Karl der Große (747 bis 814) als Gärtner? Passt das mit dem Bild eines Herrschers und Kaisers zusammen? Es passt, da Karl von seltener Vielseitigkeit war und sich auch mit Gartenbau und Botanik beschäftigte. Er hinterließ das "capitulare de villis vel curtis imperii", eine Art Landgüterverordnung, die Auswahl und Anbau verschiedener Pflanzen regelte. Dieses Werk erfuhr nun eine erweiterte "Neuauflage": Die Autoren Jutta Meurers-Balke und Karl Josef Strank beschäftigen sich in dem Buch "Dass man im Garten alle Kräuter habe ..." mit Obst, Gemüse und Kräutern aus der Empfehlung des Herrschers. Nun stellten sie das über 400seitige Werk in der Buchhandlung am Kloster vor. Unter Kapitularien versteht man, so Karl Josef Strank, Erlasse von (fränkischen) Herrschern. Karl der Große versuchte, mit den Verordnungen die Grundlage für seinen eigenen Lebensunterhalt und den seines Hofstaates zu festigen. Zudem wollte er eventuelle Missstände auf seinen Hofgütern abschaffen. Nach der Einleitung "Wir wollen, dass man im Garten alle Pflanzen habe. Und zwar ..." ließ der Herrscher 73 Heilkräuter, Gewürze und Gemüse aufführen, dazu 16 Obst- und Nussbäume. Von den 73 genannten konnten 42 in frühmittelalterlichen Funden im Frankenreich nördlich der Alpen nachgewiesen werden. Bedenkt man, dass acht Arten weder als Pollen, noch als Frucht oder Samen bestimmbar sind, bedeutet dies, dass rund zwei Drittel der in dem "capitulare" genannten Pflanzen archäobotanisch erfasst wurden. Von den 16 Bäumen konnten sogar 13 nachgewiesen werden. Das Buch der beiden Autoren stellt in Bildern und ansprechenden Fotos die aufgeführten Pflanzen vor. Der botanische Name wird genannt, die Pflanzenfamilie, der englische und französische Name. Es folgen botanische Beschreibung der Art, Auszüge aus der Archäobotanik, historische Nutzung und Bedeutung, sowie die heutige Bedeutung und Verwendung. In einem Rezeptteil lassen sich, neben historischen Zubereitungen wie Kiefernsalbe oder Anis-Tinktur, auch moderne Gerichte wie Fenchelsalat oder Mangold Quiche finden. Anhand ausgewählter Kräuter, verdeutlichte Karl Josef Strank die Einteilungen des Buches. Offenbar sei, so Strank, das "capitulare" auf Produktion und medizinischen Nutzen hin ausgerichtet, da gebräuchliche und bekannte Obst- oder Kräutersorten, wie Himbeere oder der Wegerich, nicht genannt sind. Wohl aber der Salbei, die Heilpflanze des Mittelalters. "Bis hin zum Fetischtum", so Strank, sei der Salbei verehrt worden; sogar Schutz vor Tod und Dämonen wurden ihm nachgesagt. Als ähnliches Wunderkraut wurde die Weinraute angesehen, die angeblich die Pest besiegen konnte. Weiter ging es, von der Madonnenlilie über die Rose, die Frauenminze, den Gartensalbei, hin zum Bockshornklee und vielen, vielen anderen Kräutern. Das Buch "Dass man in den Gärten alle Kräuter habe - Obst, Gemüse und Kräuter Karls des Großen" ist in allen Buchhandlungen erhältlich. els Bergsträßer Anzeiger |